Setzen auf eine Erhöhung der Gemeinderatsmandate bei der Kommunalwahl 2020: Kandidatinnen und Kandidaten der offenen grünen Liste in Oberaudorf. Foto: esv

Setzen auf eine Erhöhung der Gemeinderatsmandate bei der Kommunalwahl 2020: Kandidatinnen und Kandidaten der offenen grünen Liste in Oberaudorf. Foto: esv

Götze: „Die Zeit ist reif für eine Bürgermeisterin“

Oberaudorf – Die Bündnisgrünen in Oberaudorf gehen mit der Bürgermeisterkandidatin Nicole Herm und einer 14-köpfigen offenen Liste in den Kommunalwahlkampf 2020. Im Dezember 2019 soll das grüne Kommunalwahlprogramm ausformuliert werden. Gemeinderätin Andrea Wögerbauer will sich zurückziehen.

Die Zusammenarbeit im Gemeinderat sei „kollegial“ und die vergangenen fünf Jahre „eine interessante Zeit“ gewesen, erklärte Wögerbauer auf der Aufstellungsversammlung der grünen Ortsgruppe im Gasthaus Alpenrose. Hier treffen sich die Bündnisgrünen aus Oberaudorf und Kiefersfelden sonst jeden letzten Donnerstag im Monat ab 19 Uhr zum Stammtisch. Wögerbauer wolle nun jedoch die kommunalpolitischen Kontroversen hinter sich lassen und durch ihr Ausscheiden mehr Zeit für ihre Familie gewinnen. Zugleich unterstützt die scheidende Gemeinderätin die offene grüne Liste zur Kommunalwahl am 15. März 2020, denn sie wünsche sich „eine starke grüne Präsenz im Gemeinderat und eine grüne Bürgermeisterin“. Inhaltlich sieht Wögerbauers Nachfolgerin als Ortsgruppenvorsitzende, Regina Götze, die Notwendigkeit, dass sich der künftige Gemeinderat stärker für Klimaschutz, Umweltbelange und Kinderbetreuung engagiert, damit Oberaudorf „lebenswert“ erhalten bleibe. Dies wollen die Bündnisgrünen in ihrem Kommunalwahlprogramm im Dezember für Oberaudorf konkretisieren.

Un­ter­des­sen steht Ober­au­dorf vor ei­nem Re­vi­re­ment: In der Ge­mein­de, die seit 2015 mehr als 5.000 Bür­ger zählt und ein Durch­schnitts­al­ter von 47,2 Jah­ren auf­weist, be­wirbt sich der 56-jäh­ri­ge Bür­ger­meis­ter Hubert Wildgruber (CSU) nach 18 Jah­ren nicht um ei­ne vier­te Amts­zeit. Bei der Kom­mu­nal­wahl am 14. März 2014 hat­te die CSU rund 49 Pro­zent er­zielt bei ei­ner Wahl­be­tei­li­gung von 58 Pro­zent. Nun geht die Par­tei mit CSU-Ge­mein­de­rat Martin Baumann (35) ins Ren­nen ums Rat­haus. Die „Bür­ger­ge­mein­schaft Pro Ober­au­dorf“, die 2014 noch mit Hans Seebacher ei­nen ei­ge­nen Bür­ger­meis­ter­kan­di­da­ten auf­ge­stellt hat­te, lös­te sich An­fang 2017 auf, die vier Ge­mein­de­rä­te sit­zen seit­dem als Par­tei­lo­se im Rat, zwei wol­len für die Freie Wäh­ler­schaft Ober­au­dorf (FWO) an­tre­ten. Wei­te­re Än­de­rung: Der Ge­mein­de­rat hat künf­tig mehr Sit­ze. Auf­grund des Be­völ­ke­rungs­wachs­tums wer­den nach der nächs­ten Wahl statt 16 dann 20 Ge­mein­de­rä­te Ober­au­dorf ver­tre­ten..

Grüne sehen sich im Aufwind

Bei der Wahl zum Europäischen Parlament am 26. Mai erhielt Bündnis 90/DIE GRÜNEN in der vom Tourismus geprägten Gemeinde 18,2 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen, ein Plus von 8,5 Prozent zur letzten EP-Wahl. Nach den bundesweiten Zuwächsen empfahl die bayerische Landesvorsitzende Sigi Hagl ihrer Partei auf einem Regionaltreffen in Rosenheim, den „Swing“ zu nutzen und 2020 in allen Kommunen Bayerns Listen aufzustellen. Die sechs Mitglieder zählende und wachsende Ortsgruppe Oberaudorf fasste daraufhin den Entschluss, wie 2013 erneut mit einer für weitere Interessierte offenstehenden Liste anzutreten. Damit ist sie in Oberaudorf nach der Kommunalwahl 2014 erneut die einzige auch für Parteifremde offene Liste.

Durch die Klimadebatte sieht sich die Ortsgruppe zusätzlich im Aufwind: Zuletzt nahmen an der Klimaschutz-Demonstration, die Michael Mermigkas am 20. September vor dem Rathaus organisierte, knapp 70 Sympathisanten und Aktivisten der „Fridays for Future“-Bewegung teil. Für die Ortsvorstände Regina Götze, Gerhard Pösch und Inge Saacke ein wegweisender Erfolg, weshalb die Bündnisgrünen für die Kommunalwahl 2020 nun auf eine Vermehrung der Gemeindesitze von derzeit einem auf dann drei bis vier hoffen.

Offene Liste in Oberaudorf

Ein knappes halbes Jahr vor dem Urnengang nahmen nun rund 20 Oberaudorfer an der Aufstellungsversammlung im Gasthof Alpenrose teil. Die grüne Gemeinde- und Kreisrätin Brunhilde Rothdauscher aus Raubling zeigte sich als Versammlungsleiterin erfreut über die Resonanz bei den „zahlreichen“ Aufstellungsversammlungen im Landkreis. Einer individuellen Vorstellung der Kandidierenden folgend wählte die Versammlung 14 Interessierte abwechselnd nach Geschlecht und im Block als offene Liste für den Gemeinderat. Angeführt wird sie von Regina Götze, Michael Mermigkas und Nicole Herm. Die Wahl dieser ersten drei Plätze wird bei der Kommunalwahl jeweils dreifach gewertet. Es folgen: Dr. Olaf Konstantin Krueger, Inge Saacke, Dr. Stephan Böhm, Pratizia Kaiser, Josef Gasteiger, Andrea Wögerbauer, Maximilian Zabel, Gabriele Birkelt, Gerhard Pösch, Natascha Voos und Dr. Charlotte Gasteiger. Als Ersatzkandidatinnen wurden Claudia Böhm und Anna Schramm gewählt.

Die designierte Herausforderin von Martin Baumann, Finanzbuchhalterin Nicole Herm, will im Kommunalwahlkampf den Klima- und Umweltschutz thematisieren. Die 50-jährige verheiratete, zweifache Mutter hofft auf einen „fairen und konstruktiven Wahlkampf“. Digitalpolitiker Krueger setzt mit Blick auf Smart Cities und Smart Regions einen weiteren Schwerpunkt: Er will die digitale Transformation der Kommunalverwaltung unterstützen und verkehrspolitische Themen befassen wie Brenner-Nordzulauf, Nahmobilität, interkommunalen ÖPNV, E-Mobilität und Wasserstoff als Schlüssel der Energiewende. okk

Wahl­vor­schlag

  1. Regina Götze – 52, Do­zen­tin Medien­aka­de­mie DaF/Re­gis­seu­rin.
  2. Michael Mermigkas – 51, So­lar­tech­ni­ker.
  3. Nicole Herm – 50, Fi­nanz­buch­hal­te­rin.
  4. Dr. Olaf Konstantin Krueger – 54, Wirt­schafts­geo­graf/Pub­li­zist.
  5. Inge Saacke – 80, Rent­ne­rin.
  6. Dr. Stephan Böhm – 46, Bio­che­mi­ker.
  7. Patrizia Kaiser – 47, Zoll­be­am­tin.
  8. Josef Gasteiger – 64, Kri­mi­nal­be­am­ter a. D.
  9. Andrea Wögerbauer – 52, Di­plom Forstwirt Univ.
  10. Maximilian Zabel – 40, Dipl.-Ing. (FH) Nau­tik.
  11. Gabriele Birkett – 59, Ad­mi­nis­tra­tion.
  12. Gerhard Pösch – 58, Zim­mer­meis­ter.
  13. Natascha Voos – 53, Kör­per- und Mas­sa­ge­the­ra­peu­tin.
  14. Dr. Charlotte Gasteiger – 65, Ärz­tin.

Er­satz­kan­di­da­tin­nen: 1. Claudia Böhm – 38, Dipl.-Ing. (FH). 2. Anna Schramm – 81, Rent­ne­rin.

Digitaljournalist - Digitalpolitiker

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